silberne Justitia Statue auf dem Besprechungstisch der Kanzlei von Ferber Langer

Was Sie als Geschäftsführer in der Corona-Krise beachten müssen

Viele Menschen in unterschiedlichen Berufen und Branchen stehen vor einer existenziellen Krise. Sie trifft kleine und mittlere Unternehmen, Konzerne, Soloselbstständige und Freiberufler. Lieferketten sind unterbrochen, viele Mitarbeiter arbeiten aus dem Homeoffice und manche Betriebe und Produktionen schließen komplett. In dieser Situation sind Unternehmensleitungen, Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer besonders gefordert. Was können Sie, was dürfen Sie und was müssen Sie als Geschäftsführer oder vorstand eines Unternehmens tun?

Überprüfung der finanziellen Stabilität des Unternehmens und Anpassung der Unternehmensplanung

In der derzeitigen Sondersituation ist die Geschäftsleitung verpflichtet, die Unternehmensplanung vor dem Hintergrund der veränderten ökonomischen Rahmenbedingungen unverzüglich zu überprüfen und ggf. anzupassen. An erster Stelle der Überlegungen muss die Planung der Liquidität der Gesellschaft und die Sicherung ihrer Zahlungsfähigkeit stehen. Da der Verlauf der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen nicht vorhersehbar sind müssen verschiedene Szenarien erstellt werden. Dabei können die die Schätzungen des Robert-Koch-Instituts für den Verlauf der Corona Pandemie und die Schätzungen von anerkannten Wirtschaftsforschungsinstituten wie z.B. des Ifo-Instituts für die wirtschaftlichen Auswirkungen zu Grunde gelegt werden.

Maßnahmen zur Kostensenkung ergreifen

Z. B. sofortige Beantragung von Kurzarbeit und Entwicklung einer mittelfristigen Personalplanung.

Maßnahmen zur Liquiditätsbeschaffung

Z. B.  verstärktes Forderungsmanagement, Bankengespräche mit dem Ziel der Aufrechterhaltung von Kreditlinien, Gespräche mit Gesellschaftern bezüglich der Zurverfügungstellung weiterer Mittel und die Beantragung von Staatshilfen von Bund und Ländern.

Überprüfung der wesentlichen Verträge des Unternehmens

Die Verträge mit Kunden, Lieferanten, Vermietern und sonstigen Vertragspartnern müssen im Hinblick auf mögliche Vertragsänderungen und Kündigungsmöglichkeiten überprüft werden.

Beachtung der Insolvenzantragspflicht – aktuell gesetzliche Erleichterung

Geschäftsführer und Vorstände müssen grundsätzlich die gesetzliche Insolvenzantragspflicht wegen Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung beachten. Auch wenn der Gesetzgeber ganz aktuell für Erleichterung gesorgt hat, um den von der COVID-19-Pandemie betroffenen Unternehmen Zeit für die Sanierungsbemühungen und Verhandlungen mit ihren Gläubigern zu verschaffen. Durch ein am 25.03.2020 vom Bundestag verabschiedetes Gesetz wurde die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen, die wegen der Folgen der Corona- Pandemie in Schieflage geraten, rückwirkend vom 01.03.2020 bis zum 30.09.2020 (mit weiterer Verlängerungsmöglichkeit bis zum 31.03.2021) ausgesetzt.

(BMJV: Corona-Insolvenzantrag)

Das Gesetz sieht im Bereich des Insolvenzrechts fünf Maßnahmen vor:

  • Die haftungsbewehrte und teilweise auch strafbewehrte dreiwöchige Insolvenzantragspflicht wird vorübergehend bis zum 30. September 2020 ausgesetzt. Dies gilt nur für Fälle, in denen die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung auf den Folgen der COVID-19-Pandemie beruht. Zudem soll erforderlich sein, dass Aussichten auf eine Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit bestehen. Antragspflichtige Unternehmen sollen die Gelegenheit erhalten, ein Insolvenzverfahren durch Inanspruchnahme staatlicher Hilfen, gegebenenfalls aber auch im Zuge von Sanierungs- oder Finanzierungsvereinbarungen, abzuwenden.
  • Geschäftsleiter haften während der Aussetzung der Insolvenzantragspflichten nur eingeschränkt für Zahlungen, die sie nach Eintritt der Insolvenzreife des Unternehmens vornehmen.
  • Während der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht an von der COVID19-Pandemie betroffene Unternehmen gewährte neue Kredite sind nicht als sittenwidriger Beitrag zur Insolvenzverschleppung anzusehen.
  • Während der Aussetzung erfolgende Leistungen an Vertragspartner sind nur eingeschränkt anfechtbar.
  • Die Möglichkeit von Gläubigern, durch Insolvenzanträge Insolvenzverfahren zu erzwingen, werden für drei Monate eingeschränkt.

Durch die Maßnahmen soll den von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie betroffenen Unternehmen Zeit für die Sanierungsbemühungen und Verhandlungen mit ihren Gläubigern verschafft werden. Die Vorschriften greifen damit flankierend zu den umfassenden staatlichen Hilfsprogrammen.

Gleichwohl müssen die Geschäftsleitungen die mögliche Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung ihrer Unternehmen im Auge behalten.

Wir sind für Sie erreichbar

Wenn Sie hinsichtlich der in dieser schwierigen Situation zu treffenden Entscheidungen unsicher sind, sollten Sie unverzüglich Expertenrat einholen. Gern stehen wir Ihnen mit unserem Rat zur Seite.

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